| Method Man
Das Album "4:21" ist jetzt zu haben und bereit von euch gehört zu werden!
In den Electric Lady-Studios von Jimi Hendrix, einem höhlenartigen Unterschlupf in Downtown Manhattan, in dem wiederholt Musikgeschichte geschrieben wurde, sitzt er, Method Man. Einen halb abgebrannten, treuen Joint an seiner Seite, räkelt er sich vor einem großen weißen Flügel und versucht sich derweil an eine Melodie zu erinnern, die ihm vor ein paar Jahren im Kopf herumspukte.
Es mag seltsam klingen, wenn sich einer der besten und zugleich dreckigsten HipHop-MCs an ein Klavier begibt, aber andererseits war Meth noch nie ein Rapper, der das getan hätte, was andere von ihm erwartet haben. Seine heisere, kehlige Stimme ist definitiv eine der charakteristischsten der HipHop-Welt, und sein einzigartiger Flow – düster und komplex wie diejenigen Comics, aus denen er einst seinen Künstlernamen entnahm – passt nicht nur auf die filmischen Soundlandschaften eines RZA , sondern kann sich auch ganz geschmeidig an die Seite von R&B-Diven gesellen oder aber die Party-Tracks eines Rocwilder knallhart attackieren. Ob er sich gerade mit Redman , seinem Buddy und Partner-in-Rhyme, eine Verbalschlacht liefert, sich während einer Wu-Tang -Show in die Massen zum Crowd-Surfen stürzt, oder aber wieder einmal in Fernsehshows und Kinofilmen auftaucht – stets wird deutlich, dass sich Method Man aus den vorgefertigten Schubladen herausbewegen kann und ein echtes Individuum ist. Mit seinem neuen Album, „4:21...The Day After“ , will er nunmehr klarstellen, dass er zudem ein echter Künstler ist.
Anders als im Fall seiner Vorgängeralben, von denen Meth zugibt, dass er andere Dinge im Sinn hatte, geht es ihm bei seinem neusten Werk in erster Linie um die eigenen Texte. Nach der Veröffentlichung seines letzten Albums, „Tical O: The Prequel“ , durchlebte er – sowohl privat als auch hinsichtlich seiner Karriere – eine besonders harte Phase, die ihm jedoch als Quelle der Inspiration diente: „Ich war sehr nachdenklich zu dieser Zeit, mein Kopf war randvoll. Dazu kam, dass ich all diese Dinge auch artikulieren wollte. Als ich mich schließlich mit Stift und Papier hinsetzte, da sprudelte es förmlich aus mir heraus. Ich hatte unglaublich viele `Wow, erinnerst du dich noch daran?´-Momente. Und als ich dann mit den Texten fertig war, da konnte ich's kaum abwarten, mit den Aufnahmen loszulegen.“ Das Resultat ist sein bisher persönlichstes und introspektivstes Album.
Für die Produktionen, die auf „4:21“ gelandet sind, standen neben seinem alten Wu-Tang -Kollegen RZA auch Scott Storch, Havoc, K1 und Eric Sermon hinter den Reglern. „Mit Eric habe ich ganze drei Songs an nur drei Tagen aufgenommen“, erzählt Method Man sichtlich amüsiert.
Eric Sermon ist auch derjenige Produzent, der für Meths erste Single verantwortlich ist: „Say“ , auf der auch Lauryn Hill zu hören ist. Hier kann man miterleben, wie Method Man zu Höchstform aufläuft, wenn sich er gegen Kritiker, wankelmütige Fans und andere „Hater“ ausspricht, die ihm und seinen Wu-Tang -Kollegen in der Vergangenheit nicht den gebührenden Respekt entgegengebracht haben.
Das gesamte Konzept des Albums ist Offenheit und spiegelt sich schon im Albumtitel wider. „Der nationale Gras-Raucher-Tag (`national weed smoking day´) ist der 20. April (4/20), also habe ich das Album einfach nach dem 21. April – 4/21 – benannt, ` the Day After ´. Denn an diesem Tag, wenn man wieder nüchtern wird, da hat man eine Art Klarsicht, einen Blick auf die Dinge, wie sie wirklich sind.“ Der mit einem Grammy Ausgezeichnete stöhnt und sieht plötzlich sehr entschlossen und ernsthaft aus. Dann spricht er weiter: „Es fühlt sich an, als ob du der einzige wärst, der den Witz nicht versteht. Du bist nicht eingeweiht, und alle anderen lachen über dich. Ich hatte das Gefühl, dass keiner ehrlich zu mir war. Irgendwann wurde ich dann richtig wütend über diese Tatsache und begann mit der Arbeit am neuen Album.“
Diese Wut sollte sich als guter Katalysator herausstellen, als der Ticalion Stallion das Album in nur wenigen Monaten fertig stellte. Heute sagt er, dass der Aufnahmeprozess eine durchaus reinigende, eine kathartische Funktion hatte –, und auch wenn sein Fell keineswegs dicker geworden ist, weiß er nunmehr, dass er seine Verbalkünste dazu nutzen kann, um neue Zuversicht zu gewinnen.
„Es stimmt, ich werde mich von nun an darum kümmern, dass ich meinen Kopf über Wasser halte und nicht wieder in meinen Problemen versacke. Es ist doch so: Wenn man anfängt, seine eigene Presse zu lesen, dann hinterfragt man irgendwann alles, seine ganze Person. Man fragt sich `bin ich wirklich so wack , wie die es behaupten?´. Man muss einfach nur auf sich vertrauen und sich auch selber mal auf die eigene Schulter klopfen. Ich finde es OK, wenn man sich auch mal selber auf die Schulter klopft.“
Dem stimmen wir absolut zu.
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