Mit „F.F.M.“ geht D-Flame richtig in die Vollen: „Wieder ein Neuanfang für den Frankfurter Feuermann, neue Crew, neues Leben, neuer Klang“ ertönt es gleich zum Anfang in „Herzlich willkommen“, dem beatschweren Opener, in den der Frankfurter gleich mal alle neuen Songtitel gepackt hat. Mit dem direkt folgenden „Burning Nonstop“, der ersten Singleauskopplung, startet das Album dann richtig durch. In Kombination mit dem jamaikanischen Dancehall-Star Wayne Marshall lässt D-Flame hier die Funken fliegen. Ein Monster-Track, der Temperaturanstiege auf jedem Dancefloor garantiert. Eindrucksvoller hätte sich D-Flame kaum zurückmelden können.
Wayne Marshalls Teilnahme ist wie alle Features eher ein glücklicher Zufall – D-Flame bevorzugt allerdings den Begriff „blessing“. Jahmali, der aus demselben Dorf stammt wie D-Flames jamaikanische Ziehfamilie, ist so ein weiterer Segen: „No Compromises“ ist delikater Reggae, eine Social-Consciousness-Hymne für eine bessere Welt. Manchmal, wie in „Wir bleiben!“ feiert D-Flame wiederum den eigenen Style, die eigene musikalische Kompromisslosigkeit. Oder, wie in „Endlich wieder da“, ein Song, der im letzten Winter entstand, in dem er mit karibischer Leichtigkeit die Vorzüge und das Lebensgefühl eines heißen Sommers preist.
Fürwahr reiht sich auf „F.F.M.“ ein Highlight an das andere. Mit Xavier Naidoo, mit dem D-Flame seit dem Benefiz-Projekt Brothers Keepers eine Freundschaft verbindet, ist ihm sein vielleicht bis dato spirituellster Song gelungen. „Du gehst mit mir“ ist ein von DJ Desue bewegend produziertes, inniges Gebet, ein Old-School-Oratorium samt Gospel-Sahnehäubchen von Xavier Naidoo, das an die besten Zeiten von LL Cool J erinnert. Auch bei dem anderen mit Naidoo entstandenen Song, „Hörst du mich?“, geht es um Vergebung, diesmal aber um irdische. Hier zeigt sich D-Flame von seiner schwachen Seite und gesteht gegenüber seiner großen Liebe reumütig seine Fehler ein. Gemeinsam mit dem allen alleinerziehenden Müttern gewidmeten „Mom Song“ und dem ätherischen „Flyin' High“, wo sich Marvin Gaye und Maze sanft die Hand zu reichen scheinen, sind dies defintiv die Songs mit dem größten Anteil Soul und Gefühl.
Ganz anders als der heiße Stoff, den D-Flame für die Clubs zubereitet hat: Das von Don Corleone mit einem völlig überdrehten Riddim produzierte „Check“ mit Vybz Kartell ist Ragga als höchst amüsanter Furor und zudem eine kurzweilige Persiflage auf die Welt des Konsums. Mit der New Yorker HipHop-Crew Camp Lo, die D-Flame im Frankfurter Club Cookies kennengelernt hatte, geht er auf “Nuh Like Dem Neither” in den verbalen Clinch: exzellenter Urban-HipHop-Style. „Heizz“ (nach den frühen Singles „Heiß wie Feuer“ und „Heißer“) ist ein weiterer geradlinig zündender HipHop-Clubtrack und beschreibt wie D-Flame mit den Jungs um die Häuser zieht und den Club stürmt. Ebendort spielt auch „Genau so“, ein funkbetonter Dance-Crasher, der die Blicke, die Gedanken eines Mannes, der eine reizende Frau im Club tanzen sieht, kongenial beschreibt.
Statt irgendjemanden direkt zu dissen, liefert D-Flame im Gespann mit Blaze ein scharfes Plädoyer gegen jenes künstliche Image im zeitgenössischen HipHop, das mehr Maskerade und Mumpitz ist als Musik aus Leidenschaft. Die erklärt D-Flame mit „Wir bleiben!“ in aller Deutlichkeit zu seinem state of the art . In „Nett mit mir!!!“ fordert er von seinen Mitmenschen denselben Respekt, den er ihnen entgegenbringt, ganz gleich, mit wem er es zu tun hat. Das hat er schon von seiner Mutter gelernt. Auch der Humor kommt auf diesem prachtvoll gefüllten Album nicht zu kurz, sei es in dem lustigen Skit „Ganja Air“, das sich selbst bei Dave Chappelle gut ausnehmen würde, oder bei dem aufmunternden Beat von Produzent Lex Barkey in „'s Lebbe geht weidda“, dessen Refrain D-Flame mit hessischem Dialekt singt. Der Track war ganz spontan entstanden, um einen Freund aus seiner schlechten Stimmung herauszuholen. Fast müßig zu erwähnen, dass das auch gelang. Richtig durchgeknallt und voller herrlicher Wortspiele rund ums Verrücktsein ist auch „Call Me Crazy“, der zweite Track mit Wayne Marshall, in dem der verbale Schlagabtausch, dieser nahtlose Übergang vom Deutschen ins Englische (respektive dem jamaikanischen Patois) wie auch bei allen anderen zweisprachigen Titeln eine helle Freude ist.
D-Flame hat so ziemlich alles auf „F.F.M.“ gepackt, was ihm auf dem Herzen brennt. Das innere Feuer, das den Frankfurter Heißsporn antreibt, ist genauso spürbar wie seine innere Harmonie. Mit seinen weit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der deutschen HipHop-Szene weiß D-Flame nur zu gut, wie vergänglich Ruhm ist. „Jeder kann schnell ein Star werden. Jeder hat mal seine 15 Minuten Ruhm. Die Kunst ist, daraus zwei, drei Stunden zu machen.“ „F.F.M.“ ist in diesem Sinne sein ambitioniertestes Kunstwerk, eine Album gewordene Radioshow, bei der dem Begriff Sendungsbewusstsein eine tiefere Bedeutung zukommt.
ACHTUNG !
Du bist schon Teamer und möchtest einen weiteren "raptaster
Künstler" unterstützen oder ein Project tauschen?
Kein Problem! Du kannst ab sofort im Log In-Bereich dein Profil eigenständig
bearbeiten.
Lass es auf deinen Strassen krachen!
Streetteam, raptaster, Bahnhof?
Hier erfährst Du alles über uns...